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Die beiden Künstlerinnen Regula Michell und Meret Wandeler arbeiten seit 2004 einmal pro Monat zu zweit oder gemeinsam mit anderen Leuten an ihrem Häkelobjekt. Es gibt zwei Regeln, erstens wird das Objekt aus rosa Acrylwolle hergestellt wegen der Reinigung und den Motten. Und zweitens wird jeden Monat an einem anderen Ort im öffentlichen oder privaten Raum gehäkelt. Den Künstlerinnen geht es nicht um ein perfektes Endprodukt, sondern um ein absichtsloses Tun, was in unserer Gesellschaft fast nicht mehr vorkommt. Die Schülerinnen und Schüler der 3. Sek. lernen die beiden Künstlerinnen im Rahmen ihres Projektunterrichts kennen und erfahren von ihnen, wie alles entstanden ist und weiter gehen soll. Es ergeben sich verschiedene Gespräche über die Technik des Häkeln und andere Dinge an diesem 25. November 2014, und die Schülerinnen und Schüler helfen sich gegenseitig beim Häkeln, bis alle verstanden haben, wie es funktioniert.

Nach Ablauf der ersten zehn Jahre lautet der Beschluss von Regula Michell und Meret Wandeler: lebenslänglich! Die Künstlerinnen häkeln einmal pro Monat weiter, so lange beide am Leben und häkelfähig sind.

«Ich freue mich schon auf die nächste Herbstwanderung»! schrieb Vivi vor einem Jahr.

Die Herbstwanderungen haben Tradition und führen immer direkt von der Schule ins nahe Erholungsgebiet: diesen Herbst zum Waidberg, hinunter bis zur Werdinsel und der Limmat flussaufwärts zum Hauptbahnhof.

Von Vivianne, 1. Sek

Alle waren ein wenig aufgeregt, denn der Krimiautor Severin Schwendener sollte heute, am Montag, 13. Januar, eine Lesung in unserer Klasse halten. Schon am Freitagnachmittag haben wir, die erste Sek., die Tische aus unserem Klassenzimmer geräumt. Die übrig gebliebenen Stühle stellten wir in einem Halbkreis mit zwei Reihen auf, damit auch genug Platz für zwei Klassen war.

Zurück zum Montag. Schon als ich in die Schule kam, lag auf dem bereit gestellten Tisch eine Wasserflasche und eine Menge Papierkram. Alle gingen wie gewöhnlich in ihre Klassenzimmer, nur unsere Klasse und die Sek. Promotion gingen in das vorbereitete Zimmer, wo Severin Schwendener schon auf uns wartete. Wir setzen uns hin, vor uns unsere Frageblätter, die wir eine Woche zuvor vorbereitet hatten.

Nun begann die Lesung. Herr Schwendener begrüsste uns und stellte uns gleich zu Beginn eine Frage: «Wie stellt ihr euch ein Leben als Autor vor?» Da wir alle ein wenig schüchtern waren, antwortete niemand. Deshalb schlug Herr Schwendener uns vor, dass wir ihm Fragen stellen sollten. Aber auch jetzt getraute sich niemand und so erzählte er einfach ein wenig über sich und über sein allererstes Buch, bei dem es um einen Polizisten ging. Er erzählte, wie er vergebens nach einem Verlag gesucht hatte und wie ihm mehr als 50 Verlage absagten. Die einzige Antwort, die er erhielt, war, dass seine Geschichte langweilig sei. Damals, er war erst 17 Jahre alt, war er empört darüber, doch heute sagt er selber, dass das Buch «grottenschlecht» sei. Deshalb wurde das Buch auch nie veröffentlicht.

Nun fassten einige wenige von uns Schülern Mut und stellten die ersten Fragen. Anschliessend erzählte Herr Schwendener uns noch vom Leben eines Autors und dass auch er als Schriftsteller schreiben lernen muss. Im Moment ist er zum Beispiel gerade daran zu üben, wie man etwas beschreibt. Er erzählte uns auch, dass seine Lektorin manchmal ziemlich streng sei. Hinterher kam noch eine letzte Fragerunde. Zum Schluss las er uns aus seinem neuen Jugend-Krimi vor, der übrigens im März veröffentlicht wird. Wie nicht anders zu erwarten, hörte er genau dann mit Lesen auf, als es am fesselndsten war. Er verabschiedete sich von uns und der gewöhnliche Schulalttag ging weiter.